Das große Vorbeben

Ökonomische Aspekte der Wannderungs- und Fluchtbewegungen

Von Manfred Sohn
(Text eines Vortrags im Kölner Freidenker-Zentrum am 10. September 2016)

Im August 1907 versammelten sich in Stuttgart für sieben Tage knapp 900 Dele­gierte aus 25 sozialistischen Parteien zu einem Internationalen Sozialistenkon­gress, der unter anderem eine Resolution zur »Ein- und Auswanderung der Arbei­ter« verabschiedete, an deren Erarbeitung sich auch Wladimir Iljitsch Lenin be­teiligt hatte. Sie beginnt so: »Die Ein- und Auswanderung der Arbeiter sind vom Wesen des Kapitalismus ebenso unzertrennliche Erscheinungen wie die Arbeitslo­sigkeit, Überproduktion und Unterkonsum der Arbeiter. Weiter lesen →

Wir schaffen das – oder die gefährlichen Aspekte der Willkommenskultur – Text –

Von Dagmar Henn
(Text eines Vortrags im Kölner Freidenker-Zentrum am 18. Juni 2016)

 

Der Blick des Kolonisierten

„Denn in der ersten Phase des Aufstands muss getötet werden. Einen Europäer erschlagen, heißt zwei Fliegen auf einmal treffen, nämlich gleichzeitig einen Unterdrücker und einen Unterdrückten aus der Welt schaffen. Was übrig bleibt, ist ein toter Mensch und ein freier Mensch.“ (Jean Paul Sartres Vorwort zu Frantz Fanon, Die Verdammten dieser Erde)
Dieses Zitat zielt direkt ins Herz der zuckersüßen Lügen, mit denen wir seit dem vergangenen Jahr übergossen werden, und die in den letzten Tagen angefangen haben, sich in die Richtung zu wenden, die von Anbeginn zu fürchten war, mit Merkels Aussage, dass Menschen aus Syrien flüchten müssten, sei Russlands Schuld. Weiter lesen →

Zur Lage Griechenlands und zur Politik der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE)

Von Emanuel Korakis (KKE)
(Manuskript eines Referats beim Bonner Freidenker-Treff am Dienstag, 28. Juli 2015,
hier als pdf-Datei runterzuladen.)

Liebe Freunde, liebe Genossinnen und Genossen

Am Montag den 13. Juli hat die Regierung von SYRIZA-ANEL mit der Unterstützung aller bürgerlichen Parteien ein sehr hartes Paket von volksfeindlichen Maßnahmen bei dem Gipfeltreffen der Eurozone, ein drittes Memorandum, verabschiedet, welches die verbliebenen Arbeiter- und Volksrechte vernichtet.

Am Mittwoch den 15.07. setzte die „erste linke Regierung“ mit den Stimmen der bürgerlichen Parteien ND-PASOK-POTAMI im Parlament das Abkommen des Gipfeltreffens und den ersten Teil des 3. Memorandums durch, welches dem Volk neue harte Steuermaßnahmen aufbürdet und Rentenansprüche abschafft. Weiter lesen →

Friedrich Engels`Dialektik der Natur

Ein Blick auf ein unvollendetes Werkstück des Dialektischen Materialismus

Diese Schrift, die hier als pdf-Datei runter geladen werden kann, ist die Grundlage meines Referats beim Freidenker-Verband NRW am 18.07.2015. Sie dient nur der persönlichen Information und ist nicht zur Veröffentlichung oder Zitation geeignet. Ich bitte um Beachtung.
Elmar Witzgall (Juli 2015)

 1. Zeitliche und politische Einordnung

Die Dialektik der Natur (DdN) ist eine eher schwer zu lesende Schrift, obwohl Friedrich Engels (FE) ein hervorragender Autor ist. Dies liegt daran, dass sie unvollendet bleiben musste, eigentlich nur eine Schriftensammlung darstellt, die erst noch als in sich geschlossenes Buch ausgearbeitet werden sollte. Diese Schriften-sammlung wurde von FE in Form von 4 Konvoluten plus einem  Gesamtplan kurz vor seinem Tode zusammengestellt. Die vier Konvolute sind unterschiedlich gut durchgearbeitet und enthalten auch Schriften, die in anderen Zusammenhängen während und nach der Lebenszeit von FE veröffentlicht wurden, unter anderem die Vorrede zum „Anti-Dühring“ (1878), die Schrift „Der Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen“ (1896) und die „Naturforschung in der Geisterwelt“ von 1898. Die DdN- Konvolute blieben zunächst unbeachtet in den Archiven der deutschen Sozialdemokratie vergraben. Weiter lesen →

Skizze zur Herleitung des Begriffs der Nation

Von Nico Jühe (22. Mai 2015)

1.1. Gesellschaft

Zunächst gilt es zu definieren, inwieweit wir im marxistischen Sinne von Gesellschaft sprechen können. Marx führt in der Deutschen Ideologie zur Beschreibung der Interaktion von Mensch und Natur den Begriff der Praxis ein. Der Mensch ist dasjenige Wesen, welches vermittels der Arbeit fähig ist, die Natur nach den Möglichkeiten der vorhandenen Produktivkraft sich zu gestalten. Daraus resultieren mit der Entstehung des Eigentums Widersprüche in der Gesellschaft, die sind jedoch zunächst nur formaler, noch nicht konsequenter Natur. Zunächst ist es wichtig festzuhalten, dass die ökonomische Sphäre die Vermittlung zwischen den Menschen bildet, die erst zur Gesellschaft als solche führen. Weiter lesen →

Der achte Mai 1945 im Zusammenhang von Bruch und Kontinuität

Vortrag von Erik Höhne
(gehalten im Kölner Freidenker-Zentrum am 11. April 2015)

Der achte Mai 1945, der Tag an dem der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel in Berlin-Karlshorst die bedingungslose Kapitulation der Streitkräfte des Deutschen Reiches unterzeichnen musste, wird allgemein als eine Zäsur angesehen. Für diese Einschätzung gibt es eine Reihe von Gründen. Das Reich, das  nach dem vermessenen Willen seines Führers 1000 Jahre Bestand habe sollte, war ganze 988 Jahre früher an sein verdientes Ende gekommen. Die mit Abstand aggressivste imperialistische Großmacht war zertrümmert. Die Völker Europas atmeten auf, als die Waffen endlich schwiegen. Die Tore der faschistischen Vernichtungslager öffneten sich für die Überlebenden. Wenn an diesen Tag erinnert wird, gedenken wir in Dankbarkeit aller Menschen, die kämpften, litten und starben, um ihn zu ermöglichen. Und in Widerspruch zum heute in Deutschland verordneten Zeitgeist erinnern wir auch an die historische Tatsache, dass es die UdSSR war, deren Völker die Hauptlast des Krieges trugen und die mit Abstand die meisten Opfer brachten. Die  Rote Armee erkämpfte in Stalingrad den Wendepunkt des Krieges. Sie befreite das Vernichtungslager Auschwitz. Deshalb ehren wir die heldenhaften Soldatinnen und Soldaten der Sowjetunion. Weiter lesen →

Streit in der Friedensbewegung – wie breit darf sie sein?

Vortrag von Doris Pumphrey* im Marx-Engels-Zentrum (MEZ),
Berlin, am 26. März 2015

Eine Vorbemerkung

Kurz vor den Ostermärschen und inmitten der Vorbereitung der Aktivitäten zum 70. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus wird der Streit in der Friedensbewegung durch jüngste Artikel und Interviews in taz und junge Welt (jW) weiter angeheizt. Von der taz ist nichts anderes zu erwarten, wohl aber von der jW. Was die junge Welt angeht, so beziehe ich mich im Folgenden auf den Artikel „Formierte Gegenaufklärung“ von Sebastian Carlens vom 21./22. März 2015 und auf das Interview mit Monty Schädel, dem politischen Geschäftsführer der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK), unter der Überschrift „Der Friedenswinter macht die Friedensbewegung kaputt“ in dieser Ausgabe. Weiter lesen →

Der richtige Stoff – Zum 90. Geburtstag des Schriftstellers André Müller sen.

von Dietmar Dath

Wenn ein Schriftsteller Thema und Stoff, Gattung und Stilgestalt beim literarischen Kunstwerk unterscheiden kann, gehört er eigentlich nicht in die dumme Gegenwart, sondern in eine Vergangenheit, deren Verschwinden wir bedauern dürfen, oder in die Zukunft, für die wir arbeiten sollten. Denn in der Gegenwart findet man leider kaum noch jemanden, zumal in Deutschland, der zum Beispiel weiß, dass und warum etwa Goethe und Thomas Mann für ihren jeweiligen „Faust“ zwar denselben Stoff – eben die Faustlegende – , aber nicht nur verschiedene Gattungen, nämlich Roman und Stück, sondern auch verschiedene Themen bearbeitet haben. André Müller sen. hat die Unterschiede und Beziehungen von Thema und Stoff, Gattung und Stilgestalt in zwei Büchern über Shakespeare von der analytischen Seite aus erhellt. Weiter lesen →

André Müller sen., „Am Rubikon – Die schaudervollen Vorkommnisse in der Kommunde V“

André Müller sen. ist Mitglied des Beirats des Deutschen Freidenker-Verbands. Über seinen amüsanten und weiter höchst aktuellen Roman „Am Rubikon – Die schaudervollen Vorkommnisse in der Kommunde V“  berichtete Peter Kleinert in „Neue Rheinische Zeitung“ Onlline-Flyer 157 vom 30. Juli 2008

Der Autor las aus diesem Roman auf Einladung der Bonner Freidenker am 8. Oktober 2009  in der Bonner Buchchandlung „Le Sabot“.