Meinungsaustausch

Kritischer Kommentar von Freidenker Thomas Keuer zur Fußball-WM 2026 in USA, Kanada und Mexiko

Die größte und längste Fußball-Weltmeisterschaft aller Zeiten biegt auf ihre Zielgerade ein. Die beiden Finalisten sind ermittelt. Zeit für ein kritisches Fazit. 1978 erlebte ich zum ersten Mal eine Fußball-WM bewusst mit. Es begann in den Wochen davor mit dem Kauf von Knibbelbildern der einzelnen Spieler der 16 WM-Mannschaften am Kiosk neben der Grundschule.

Damals betrug der finanzielle WM-Etat nur gut 5 Prozent des heutigen Etats. Die „Welt in Ordnung“ war freilich auch damals schon nicht: Argentinien war eine faschistische Militärdiktatur, und in unmittelbarer Nähe des wichtigsten Stadions dieser WM befand sich das betriebsamste der 340 argentinischen Konzentrationslager unter einem Folterer, der sich selbst „Menguele“ in Verehrung des berüchtigten Nazi-Arztes Josef Mengele nannte.

Aber das war uns Grundschülern nicht bekannt, und ob das überhaupt in den damaligen Medien hierzulande Thema war, weiß ich nicht. Im Ostblock vermutlich schon eher, zumal schon zur vorangegangenen WM 1974 in der BRD die Sowjetunion zum letzten WM-Qualifikationsspiel in Chile wegen des dortigen faschistischen Militärputsches, bei dem es viele linksgerichtete Ermordete gab, aus Protest nicht antrat und damit sich auch nicht qualifizieren konnte.

12 Weltmeisterschaften und 48 Jahre später ist die Welt eine andere – fußballerisch bei weitem nicht so stark wie politisch. Sicher: vor allem Mannschaften aus Afrika (vor allem Marokko) können eine deutlich größere Rolle als damals für sich beanspruchen. Im Finale machen aber weiterhin Teams aus Europa und Südamerika den Weltmeister unter sich aus – mit dem Unterschied, dass Deutschland seit seinem letzten Weltmeistertitel 2014 keine Rolle mehr spielt.

Politisch, ökonomisch und technisch kann man gar nicht mehr so schnell kucken, wie sich die Welt dreht. Die „Wende“ 1989/1990 war nicht nur eine Niederlage für den Ostblock, sondern für die gesamte Linke. Die beiden Fußball-WMs 2026 und 2022 sind ein zugespitzter Ausdruck dessen: Im Gastgeberland der WM 2022 Katar wurden neue Stadien in den Wüstensand gestampft. Dafür mussten Tausende Arbeiter sterben.

Im WM 2026-Haupt-Gastgeberland USA herrscht ein politisch unberechenbarer Immobilien-Multimilliardär, der mit seinen grenzenlosen imperialen Bedürfnissen (z.B. Iran, Palästina, Grönland) die Welt in Atem, Zerstörung und Kriege hält. Der ökonomische Hintergrund ist die anscheinend unbegrenzte Macht von Gestalten wie Elon Musk, die seit der Pubertät ohne Rücksicht auf Verluste Anderer keine Ruhe mehr geben, solange sie nicht alle Güter in ihren privaten Besitz genommen haben.

Die Zeche für diesen Irrsinn sollen wir zahlen. Die Bundesregierung will die Rüstungsausgaben auf weit über 1/3 des Bundeshaushaltes hochtreiben und peitscht zur Finanzierung während der WM den größten Sozialkahlschlag vor allem im Gesundheitswesen und bei den Sozialleistungen seit Gründung der BRD durch. Inwieweit das Vasallentreue gegenüber Trump und den USA ist oder eigene deutsche antirussische militärische „Gründlichkeit“, ist Gegenstand linker Diskussionen – im Ergebnis beides fatal.

Die für viele Menschen und den Planeten zerstörerischen Kräfte des Kapitals zu bändigen oder gar zu beseitigen, scheint weit weg zu sein. Aber den Kopf in den Sand stecken, bringt ja auch nix: dann ist halt für Linke, Arbeiter und Gewerkschaften hinsichtlich Frieden und Umwelt leider vorerst nur der Weg das Ziel ….

 

Offener Brief der FreidenkerInnen Helene und Dr. Ansgar Klein zur Aussage „Wir entwickeln die Bundeswehr zur konventionell stärksten Armee Europas“ von Minister Pistorius

Herr Pistorius, Ihr Anspruch: „Wir entwickeln die Bundeswehr zur konventionell stärksten Armee Europas.“ ist an Geschichtsvergessenheit kaum zu überbieten! Wir erinnern an Ihren Parteigenossen Helmut Schmidt, der in der tagelangen Bundestagsdebatte vom 20. bis 25. März 1958 über das Vorhaben Adenauers, die Bundeswehr im Rahmen der NATO atomar zu bewaffnen, u.a. gesagt hat:

„Meine Damen und Herren, wir sind überzeugt, dass jede Regierung auf dieser Erde, auch die der UDSSR, das Risiko eines Krieges sehr ernst abwägen würde, aber könnte es nicht sein, dass manche Ihrer heutigen Reden tatsächlich in anderen Hauptstädten der Erde die sorgenvolle Frage auslösen müssen, wie lange man dem noch zusehen kann, was sich bei uns hier entwickelt. Weil diese Sorgen so real sind, deshalb müssen wir danach streben, die Kräfte der Großmächte geografisch voneinander zu trennen. Deshalb dürfen wir Deutschen niemals in der Welt den Eindruck machen, als erstrebten wir selbst eine militärische Großmacht zu werden.“

Erinnern Sie sich bitte auch an Josef Goebbels, von dem Sie Ihre Lieblingsvokabel „kriegstüchtig“ übernommen haben! Wir beide, Jahrgang 1937, haben die Folgen des: „Wollt Ihr den totalen Krieg?“ hautnah erlebt. Und wo wollen Sie die „konventionell stärkste Armee Europas“ einsetzen??? „im Kriegsfall an der Ostflanke oder im Nordatlantik“, wie Sie auf der Konferenz der Innenminister aller deutschen Bundesländer am 19. Juni 2026 erklärt haben. Also gegen Russland?! Sie haben wohl nicht mitbekommen, was der Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa, US-General Alexus Grynkewich, zu dem herbeigeredeten „bevorstehenden Angriff Russlands“ gesagt hat: „Russland sucht keinen Konflikt“ und: „Weil die Russen wissen, dass sie keinen Erfolg hätten, werden sie ein solches Risiko nicht eingehen.“

Rudern Sie zurück, ehe es zu spät ist! und das könnte bald sein, wenn Sie nicht alles tun, um die ukrainischen Angriffe auf russisches Territorium, die nur mit massiver westlicher Unterstützung möglich sind, zu stoppen!!!

 

Namentlich gekennzeichnete Artikel bringen die Meinung des Autors / der Autorin und nicht unbedingt die Meinung des Freidenker-Landesverbands zum Ausdruck.

NRW-Freidenker Werner Rügemer erstreitet wichtiges Urteil für die Meinungsfreiheit

Erklärung des NRW-Freidenker-Landesverbands, 7. Mai 2026

In einem Liedtext der Kölner Politrock-Band Floh de Cologne heißt es: Die Meinung ist frei, es sei denn man hat eine. Diese Erfahrung musste der freie Autor und Freidenker Werner Rügemer machen.

Was war geschehen? Die Berliner Zeitung fragte im April 2023 bei Werner Rügemer an, ob er einen Artikel zum Thema „Rheinmetall“ im Umfang von 10.000 Zeichen schreiben könne. Der Autor sagte zu und schrieb den Artikel versehen mit dem deutlichen Hinweis: „Änderungen sind nur nach Abstimmung mit dem Autor möglich“.

Dann erschien der Artikel – zensiert. Wesentliche Sätze wurden gestrichen – so z.B. die Aussage, dass u.a. der Verteidigungsminister Boris Pistorius ein Beispiel für „Wendehälse mit schlechtem Gewissen“ sei, der „für Richtungswechsel besonders geeignet“ ist. Rügemer zielte dabei auf Pistorius Aussage, er sei Anhänger von Willy Brands Ostpolitik, die er dann als Irrtum bedauerte.

Zensiert und gestrichen wurden auch Sätze, die auf Agnes Strack-Zimmermanns Mitgliedschaft im Förderkreis Deutsches Heer, Deutsche Gesellschaft für Wehrtechnik, wo auch Rheinmetall Mitglied ist, hinweisen. Ebenso gestrichen wurden die Sätze, die auf die Spenden von Rheinmetall an FDP und CDU hinweisen. Gestrichen wurde alles von Henning Otte, der damals CDU-Abgeordneter im Wahlkreis Celle/Niedersachen war, wo die älteste und größte Rheinmetall-Fabrik steht und auch schon einmal eine Spende von Rheinmetall bei der örtlichen CDU landet.

Dagegen ging Rügemer vor Gericht, mit Erfolg, nach drei Jahren: Das Landgericht Köln verurteilte die Berliner Zeitung wegen Urheberrechtsverletzung und Rufschädigung sowie deshalb auch zur Zahlung einer Entschädigung. Das Oberlandesgericht Köln wies am 27.3.2026 die Berufung der Berliner Zeitung zurück: Das Urteil ist rechtskräftig – und das erste derartige Urteil in Deutschland überhaupt.

Solche branchenübliche Zensur von „freien“ Autoren zeigt, wie Redaktionen die herrschende Linie durchsetzen. Werner Rügemer fordert die „Freien“ auf, sich gemeinsam dagegen zur Wehr zu setzen.

Der Freidenkerverband NRW gratuliert Werner Rügemer zu seinem juristischen Erfolg. In Zeiten, in denen die Meinungsfreiheit immer mehr eingeschränkt wird und gegen Einzelpersonen EU-Sanktionen verhängt werden, ist die kritische Auseinandersetzung mit den Medien zwingend notwendig. Der Freidenkerverband unterstützt jede Initiative für Presse- und Meinungsfreiheit.

Internationaler Frauentag

„Die Frau der neuen Gesellschaft ist sozial und ökonomisch unabhängig, sie ist keinem Schein von Herrschaft und Ausbeutung mehr unterworfen, sie steht dem Manne als Freie, Gleiche gegenüber und ist Herrin ihrer Geschichte.“ Heute, fast 150 Jahre später, nachdem August Bebel das schrieb, verdienen Frauen immer noch 16% weniger als Männer, ihr Anteil an Führungspositionen beträgt nur 29%. Der Internationale Frauentag ist der Tag für Frauen, aber auch für Männer, um gemeinsam gegen diese Ungleichheiten zu kämpfen.

Sonderrechte der Kirche erfolgreich bekämpft

Erklärung des Landesverbands Nordrhein-Westfalen im Deutschen Freidenker-Verband zum Urteil des Landesarbeitsgerichts Hamm in Sachen Abtreibungsverbot, 18. Februar 2026

Nachdem das Arbeitsgericht Hamm im August 2025 bescheinigt hatte, dass die katholische Kirche über nationalem Recht steht, ist dies in der Berufungsinstanz vor dem Landesarbeitsgericht Hamm mit dessen Urteil vom 5. Februar 2026 weitgehend revidiert worden. Das von einem kirchlichen Träger gegen den am „Klinikum Lippstadt – Christliches Krankenhaus“ tätigen Chefarzt Prof. Dr. Joachim Volz erlassene Verbot von gesetzlich erlaubten medizinisch induzierten Schwangerschaftsabbrüchen ist in wesentlichen Teilen gekippt worden. Das Verbot gilt nun nicht mehr in seiner privaten Praxis in Bielefeld und nicht mehr für seine Nebentätigkeit als Kassenarzt in der Klinik.

Volz wollte wissen, ob die „Sonderrechte der Kirche noch zeitgemäß sind“. Das Urteil kann ihn zufriedenstellen. Er könne ab sofort wieder so arbeiten, wie vor dem Verbot. „Das Urteil ist rechtsgültig. Für meine Patientinnen und mich ist das ein großer Gewinn, den wir auch Ihnen zu verdanken haben!“ Dieser Dank ist damit auch an den Freidenker-Landesverband Nordrhein-Westfalen gerichtet, denn der war im August 2025 in dieser Sache mit der Pressemitteilung „Das schreit zum Himmel“ an die Öffentlichkeit gegangen.

Die Sonderrechte der Kirche sind also in einem konkreten Einzelfall zumindest eingeschränkt worden – wenn auch nicht umfassend abgeschafft. So ist in Einrichtungen von Weltanschauungsgemeinschaften wie der Kirche die Aushandlung von Tarifverträgen auf Augenhöhe weiterhin nicht vorgesehen und auch das Grundrecht auf Streik wird den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern abgesprochen. Auch in Fragen der Glaubens- und Meinungsfreiheit können Beschäftigte weiterhin von ihrem Arbeitgeber sanktioniert werden – bis hin zum Verlust des Arbeitsplatzes. Explizit ist dieser beispielsweise vorgesehen, wenn Beschäftigte aus der katholischen Kirche austreten. Dennoch ist das aktuelle Urteil zu begrüßen. Es zeigt sich, dass öffentlicher Druck – noch – wirksam werden kann.

Siehe auch Erklärung „Das schreit zum Himmel“ vom 9. August 2025
https://www.nordrhein-westfalen.freidenker.org/das-schreit-zum-himmel/

Philosophie im Dialog – Vortrag und mehr von Günter Pohl

Bericht von Hannah Schönig über den Vortrag von Günter Pohl bei „Marx in Marxloh“ am 7. Dezember 2025

Dem Duisburger „Marx-in-Marxloh“-Publikum wohlbekannten und gut informierten Referenten gelang es wieder einmal, seine Zuhörer so anzusprechen, dass sich schon zu Beginn seines Vortrages, bei der Rückschau auf seinen vorherigen Beitrag zur Geschichtsphilosophie bei Marx in Marxloh, eine lebhafte Diskussion entspann. Es waren Verständnisfragen, oder Diskussionsbeiträge zu Gegenpositionen oder auch belebende Beiträge zur aktuellen, politischen Situation in unserem Land. Günter Pohl forderte das in seinem Vortrag auch geradezu heraus und begrüßte jede Unterbrechung mit dem „Lob des Zweifels“. Aber das kommt später.

Kant unterteilt seine Kernaussage zu den Grenzen der menschlichen Erkenntnis und die Autonomie des vernünftigen Handelns in vier Fragen: 1.) Was kann ich wissen? Grenzen und Möglichkeiten unseres Wissens und der Erkenntnis. 2.) Was soll ich tun? Kategorischer Imperativ. 3.) Was darf ich hoffen? Fragen an die Religion, zu Gottes Existenz und zum Leben nach dem Tod. 4.) Was ist der Mensch? Das Wesen des Menschen, seine Stellung zu anderen Menschen, zum Begriff Menschheit, und der Mensch ist das einzige Wesen, das schon früh weiß, dass es sterben wird. Wahrheit besteht in der Übereinstimmung der Erkenntnis mit dem Gegenstand, Wissen entsteht in der Kombination von Sinnlichkeit (Anschauung) und Verstand (Begriff). Bei Kant sind Kategorien apriorischen Denkens als Grundvoraussetzung für alle Erfahrungen. Zweifel, sagte Günter Pohl, stehen am Anfang, nicht das Vertrauen, wie in der idealistischen Philosophie. Zweifel und Widerspruch sind die Triebkräfte zur Weiterentwicklung. Gegensätze gehören zusammen, denn wenn es nichts Böses gäbe, gäbe es auch nichts Gutes, weil das ohne seinen Gegenpol normal und nichts Besonderes wäre. So muss auch vermeintlich Sicheres angezweifelt werden können.

Ist die Welt erkennbar? Mit Hilfe der Dialektik und des Umschlagens von Quantität in Qualität findet Entwicklung immer in unterschiedlicher Intensität und zu allen Zeiten statt. Erkenntnisgewinne verändern uns ständig, wobei man immer das Gegenteil erkennen und mitdenken muss. Weil die Welt erkennbar ist, ist sie auch veränderbar.

Noem und Myob, die beiden Diskutanten in dem gesamten dreibändigen Werk zur Geschichte der Philosophie von Günter Pohl, stellen immer wieder die Frage nach den gegensätzlichen Welten von Idealismus und Materialismus. Beides, sagt Günter Pohl, gibt es nicht in Reinform. Kapitalismus und Existenzialismus schließen Materialismus aus. Als Marxisten haben wir nicht ein abgeschlossenes Weltbild wie die Idealisten, zu denen die Esoterik, die Metaphysik und die Religion gehört. Die Materialisten konzentrieren sich auf das Konkrete und die Erkenntnis. „Konkretes Handeln heißt, die Erkennbarkeit und die Veränderbarkeit der Welt als Teil des Materialismus zu begreifen.“ Bd,1,S.66. Wie sehr diese Diskussionen uns für unseren Alltag befeuern können, merkte man an einem Resümee, die Forderung nach einem Reichtumsbericht, den man gleichzeitig mit dem Armutsbericht veröffentlichen soll!

Das Jugend- und Kulturzentrum Marxloh wurde von ATIF-Freunden selber umgebaut! Seitdem treffen wir uns in freundlichen, hellen Räumen. Und dann darf man natürlich nicht das Sonntagsmorgenfrühstück vergessen, dass die Teilnehmer zu sich nehmen und was dem Ganzen einen gemütlichen Anstrich gab.

Wieder wurde das Ende ignoriert, weil die Leute einfach zu engagiert diskutierten. Und als vorgeschlagen wurde, dass man Günter Pohl eben noch einmal einladen sollte, stimmten die Teilnehmer begeistert zu!

Zum Vorgehen der Polizei bei der Demonstration am 30. August in Köln

Offener Brief des Freidenker-Landesverbands NRW an Herrn Herbert Reul, Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen, 3. September 2025

Sehr geehrter Herr Minister,

wir wenden uns an Sie, weil ein Mitglied unserer Organisation am Samstag, den 30.08.2025, Opfer von polizeilicher Gewalt und willkürlicher Einschränkung demokratischer Grundrechte geworden ist. Unser Mitglied ist gemeinsam mit ca. 3000 Demonstranten einem Aufruf des Bündnisses „Rheinmetall entwaffnen“ und des Friedensforums Köln gefolgt, um von seinem demokratischen Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit Gebrauch zu machen. Unser 76jähriges Mitglied wunderte sich bereits vor Beginn der Kundgebung, dass die Polizei 1.600 Einsatzkräfte, Wasserwerfer und Räumungsfahrzeuge aufbot, um das Recht auf Demonstration zu sichern. Doch weit gefehlt: die Polizei hielt den Demonstrationszug erst einmal zwei Stunden fest, ehe er sich in Bewegung setzen konnte. Durch diese aus unserer Sicht unnötige Provokation wurde das Demonstrationsrecht bereits eingeschränkt.

Zu einem späteren Zeitpunkt wurden unser Mitglied und etwa 1000 weitere Demonstranten eingekesselt. Den „Eingekesselten“ wurden dann über Stunden der Toilettengang und Wasser verweigert. Als nach etwa drei Stunden unser Mitglied die Unterzeichnerin anrief und die Situation schilderte, hat sie sich umgehend telefonisch mit der Polizei in Verbindung gesetzt. Dort wurde ihr lapidar mitgeteilt: “Mitgefangen -Mitgehangen“. Dieser Spruch mag im wilden Westen vorgekommen sein, er hat nach Auffassung des Deutschen Freidenkerverbandes in einem demokratischen Rechtsstaat nichts verloren.

Nach ca. 10 Stunden ohne Wasser und Toilette wurde unser Mitglied von zwei Polizeibeamten aus dem Kessel geholt und zu Boden geworfen. Dabei wurde er im Gesicht verletzt, und sein Hörgerät ging verloren. Doch damit nicht genug. Nach einer erkennungsdienstlichen Behandlung durch die Polizei wurde ihm schwerer Landfriedensbruch vorgeworfen und die Auflage erteilt, bis Sonntag, 31. August 2025, 17:00 Uhr, die Stadt Köln nicht zu verlassen. Dadurch konnte unser Mitglied nicht an einer Landeskonferenz des Deutschen Freidenkerverbandes NRW am Sonntag (Beginn 12 Uhr) teilnehmen, auf der er für den Landesvorstand kandidieren wollte. Während der gesamten Demonstration wurde nicht ein einziges Mal mit dem Verantwortlichen der Demonstration der Kontakt von der Polizei gesucht, um zu deeskalieren. Es mag dahingestellt sein, ob das Abbrennen von zwei pyrotechnischen Elementen und falsches Material von Fahnenstangen als Rechtfertigung herhalten kann, um 3000 Menschen das Recht auf Demonstration vorzuenthalten. Am gleichen Abend wurden während eines Fußballspiels in der Düsseldorfer Arena dutzende pyrotechnische Elemente eingesetzt, und niemand käme auf die Idee, die Verursacher über Stunden einzukesseln und das Fußballspiel aufzulösen.

Durch das Verhalten der Polizei wurde unserem Mitglied die Ausübung des Demonstrationsrechts und das Recht auf Vereinigungsfreiheit in unzumutbarer Weise eingeschränkt. Der Deutsche Freidenkerverband protestiert auf das Schärfste. Wir fordern Sie auf, gegen solche Auswüchse unverzüglich vorzugehen.

Mit freundlichen Grüßen
Edith Fröse
Vorsitzende des Deutschen Freidenkerverbandes NRW

NRW setzt wegweisenden Friedensimpuls

Erklärung des Freidenker-Landesverbands NRW zum JSW-Beschluss zu NATO und Neutralität, 31. August 2025

Der Freidenker-Landesverband NRW begrüßt einen vom Ruhrpott ausgehenden Friedensimpuls. Er steht in Zusammenhang mit der Gründung des BSW-Jugendverbands (JSW) in Bochum. BSW-Politikerin Sevim Dagdelen führt dazu aus: „Europa muss sich von den USA emanzipieren – oder es wird nicht sein. Die Ausplünderung per Handelsabkommen durch den US-Imperialismus oder durch gigantische Aufrüstungsverpflichtungen für US-Kriege droht den Sozialstaat in Europa völlig zu zerstören. Die BSW-Jugend hat auf ihrem Gründungskongress in Bochum einen wegweisenden Beschluss gefasst: für die Neutralität Deutschlands und den Austritt aus der NATO. Anders wird die Rettung kaum gelingen – wenn man die Bevölkerung retten will.“

Das trifft zusammen mit der Konferenz der Weltunion der Freidenker, die am 16. August 2025 in Ungarn stattfand. Auch dort stand die „Verteidigung der Neutralität und nationalen Souveränität“ auf der Tagesordnung – mit Peter Berger aus Winterthur als Referent.

Vor kurzem hatte auch Tilo Gräser, Redakteur bei transition-news.org und Mitglied des Deutschen Freidenker-Verbands, sich zu Souveränität und Neutralität geäußert. Nur ein neutrales und damit souveränes Deutschland kann zu einer Friedenskraft werden. In diesem Zusammenhang erwähnt er die von Freidenker-Mitgliedern mitgetragene „Kampagne für ein neutrales Deutschland“ (deutschlandNEUTRAL.de), die dabei ist, ein breites, lagerübergreifendes und internationales Bündnis zu entwickeln.

Das schreit zum Himmel

Erklärung des Freidenker-Landesverbands NRW zum Urteil des Arbeitsgerichts Hamm in Sachen Abtreibungsverbot, 9. August 2025

Das schreit zum Himmel. Ein Gericht in NRW verpflichtet einen Arzt dazu, gemäß den Vorstellungen der katholischen Kirche Hilfeleistung zu unterlassen. Prof. Dr. Joachim Volz, Chefarzt am „Klinikum Lippstadt – Christliches Krankenhaus“, hatte gegen das dort erlassene Verbot von medizinisch induzierten Schwangerschaftsabbrüchen geklagt. Das Arbeitsgericht Hamm wies am 8. August diese Klage ab. Auch eine Petition mit 230.000 Unterzeichnungen und eine Demonstration von 2.000 Menschen am Tag des Urteils, bei der zu lesen war „Himmel Hölle Heuchelei! Kirche, lass die Frauen frei“, haben das nicht verhindert. Die NRW-Freidenker protestieren gegen dieses Urteil. Es kann nicht sein, dass eine kirchliche Einrichtung staatliches – zumal hart erkämpftes – Recht aushebelt.

In der Petition heißt es: „Seit der Übernahme unseres Krankenhauses durch einen katholischen Träger zu Beginn dieses Jahres dürfen mein Team und ich keine Schwangerschaftsabbrüche mehr durchführen… Das Verbot ignoriert das ärztliche Urteil, den Willen der Patientin und auch das Gesetz. Denn sogar nach § 218a Abs. 2 StGB ist ein solcher Eingriff ausdrücklich erlaubt – wenn die Fortsetzung der Schwangerschaft für die Frau eine schwerwiegende Gefahr für Leben oder Gesundheit bedeutet.“

Chefarzt Prof. Dr. Joachim Volz vor der Verhandlung: „Ich will einfach wissen, ob diese Sonderrechte der Kirche noch zeitgemäß sind – gerade im medizinischen Bereich, gerade wenn es um Frauenrechte geht.“ Zur Not wolle er bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Für den Deutschen Freidenker-Verband steht fest: Sonderrechte der Kirche sind ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten. Sie gehören dringend abgeschafft.

Stoppt Rassismus! Stoppt Israels Völkermord in Gaza!

Erklärung des Freidenker-Landesverbands NRW zu den Geschehnissen in Palästina, 5. August 2025

Der Freidenker-Landesverband NRW bezieht Stellung zu den Geschehnissen in Palästina. Was sich dort vollzieht, ist eine extreme Form von Rassismus – exekutiert von den zionistischen Kräften Israels und gebilligt insbesondere von den Regierungsparteien der BRD. Der von Israel in Gaza vollzogene Völkermord verletzt das Völkerrecht in extremer Weise.

Das Unheil begann spätestens 1948. Es war die Gründung eines Staates mit dem Namen Israel, der sich Land aneignete, das ihm nicht gehörte, und große Teile der einheimischen Bevölkerung massakrierte oder vertrieb. Die Gründung Israels war die Katastrophe – die Nakba – für Palästina. Die Katastrophe dauert an bis heute. “Die Palästinenser sollten wie Heuschrecken zermalmt werden … ihre Köpfe an Felsen und Mauern zerdrückt werden“, sagte der israelische Premierminister Yitzhak Shamir in einer Rede vor jüdischen Siedlern 1988. Dieser Charakter Israels wird zurzeit besonders deutlich. Er ist zutiefst rassistisch.

Erinnerungen an die Kolonisierung Amerikas, die zur Ausrottung fast der gesamten einheimischen Bevölkerung von ca. 75 Millionen führte, werden wach. Das 2022 verstorbene NRW-Freidenker-Mitglied Elias Davidsson erinnert an die Bezüge zum rassistischen Hitler-Deutschland: „Adolf Eichmann war von den Zionisten begeistert und wollte sich in Palästina anschauen, wie die Zionisten ihren Rassenstaat aufbauen.“ Der in New York lebende Professor für arabische Politik Joseph Massad ergänzt: „Adolf Eichmann kehrte 1937 von seiner Reise nach Palästina voller Begeisterung über die Errungenschaften der nach dem Prinzip der Rassentrennung organisierten Ashkenazi-Kibbuzim zurück.“

Um in eine Endphase der ethnischen Säuberung einzutreten, kam der 7. Oktober 2023 für das zionistische Israel wie gerufen. Von einem „israelischen Pearl Harbor“ und einem „9/11 für den israelischen Staat“ ist die Rede. Mit 9/11 wird die Operation vom 11. September 2001 bezeichnet, mit der der so genannte „Krieg gegen den Terror“ legitimiert wurde. Mit der Pearl-Harbor-Inszenierung sind die USA in den Zweiten Weltkrieg eingestiegen. Am 7. Oktober 2023 ist es nun Israels Ministerpräsident Netanjahu, der erklären kann: „Wir sind im Krieg“. Der ehemalige US-Offizier und UN-Waffeninspekteur Scott Ritter kommentiert: „Außerdem hat sich herausgestellt, dass nicht die Hamas oder andere palästinensische Gruppierungen, sondern das israelische Militär am 7. Oktober der ‚Killer Nummer 1‘ war und selbst die meisten Israelis getötet hat.“

Seitdem läuft die systematische Vernichtung der palästinensischen Bevölkerung im Freiluft-KZ Gaza. Die im Freidenker-Verband geschätzte freie Journalistin Karin Leukefeld: „Es ist die Hölle auf Erden!“ In einem ihrer aufschlussreichen Artikel weitet sie den Horizont: „Heute führt der 1948 gegründete Staat Israel direkt und indirekt ‚Krieg an sieben Fronten‘: im Gazastreifen, im Westjordanland, Libanon, Syrien, Irak, Jemen und Iran. Die Territorien der Völker der Region werden verwüstet und besetzt. Aus Weizenfeldern werden Schlachtfelder, Lebensgrundlagen werden verbrannt. Wer sich widersetzt und sein Recht, sein Land, seine Heimat verteidigt, wird als ‚terroristisch‘ gebrandmarkt und getötet. Die Menschen sollen sich unterwerfen, werden vertrieben oder in Flüchtlingslagern eingesperrt.“

Der Freidenker-Landesverband NRW klagt an und ruft auf zu energischem Protest und wirkungsvollen Maßnahmen. Das rassistische Israel muss in seine Schranken verwiesen werden! Sein jahrzehntelanges verbrecherisches Treiben muss endlich gestoppt werden! Wenn es etwas gibt, was Deutschland gelernt haben muss, ist es, dass Verbrechen – zumal rassistisch motivierte – nicht zur Staatsräson gehören dürfen. Unterdessen hält die Bundesregierung schamlos an Rüstungslieferungen für Israel fest. Dies ist eine direkte Unterstützung des israelichen Völkermordes.

Weitere Veröffentlichungen:
https://www.freidenker.org/?p=22575
https://linkezeitung.de/2025/08/07/stoppt-rassismus-stoppt-israels-voelkermord-in-gaza/
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=29554