Meinungsaustausch: Kritischer Kommentar von Freidenker Thomas Keuer zur Fußball-WM 2026 in USA, Kanada und Mexiko

Die größte und längste Fußball-Weltmeisterschaft aller Zeiten biegt auf ihre Zielgerade ein. Die beiden Finalisten sind ermittelt. Zeit für ein kritisches Fazit. 1978 erlebte ich zum ersten Mal eine Fußball-WM bewusst mit. Es begann in den Wochen davor mit dem Kauf von Knibbelbildern der einzelnen Spieler der 16 WM-Mannschaften am Kiosk neben der Grundschule.

Damals betrug der finanzielle WM-Etat nur gut 5 Prozent des heutigen Etats. Die „Welt in Ordnung“ war freilich auch damals schon nicht: Argentinien war eine faschistische Militärdiktatur, und in unmittelbarer Nähe des wichtigsten Stadions dieser WM befand sich das betriebsamste der 340 argentinischen Konzentrationslager unter einem Folterer, der sich selbst „Menguele“ in Verehrung des berüchtigten Nazi-Arztes Josef Mengele nannte.

Aber das war uns Grundschülern nicht bekannt, und ob das überhaupt in den damaligen Medien hierzulande Thema war, weiß ich nicht. Im Ostblock vermutlich schon eher, zumal schon zur vorangegangenen WM 1974 in der BRD die Sowjetunion zum letzten WM-Qualifikationsspiel in Chile wegen des dortigen faschistischen Militärputsches, bei dem es viele linksgerichtete Ermordete gab, aus Protest nicht antrat und damit sich auch nicht qualifizieren konnte.

12 Weltmeisterschaften und 48 Jahre später ist die Welt eine andere – fußballerisch bei weitem nicht so stark wie politisch. Sicher: vor allem Mannschaften aus Afrika (vor allem Marokko) können eine deutlich größere Rolle als damals für sich beanspruchen. Im Finale machen aber weiterhin Teams aus Europa und Südamerika den Weltmeister unter sich aus – mit dem Unterschied, dass Deutschland seit seinem letzten Weltmeistertitel 2014 keine Rolle mehr spielt.

Politisch, ökonomisch und technisch kann man gar nicht mehr so schnell kucken, wie sich die Welt dreht. Die „Wende“ 1989/1990 war nicht nur eine Niederlage für den Ostblock, sondern für die gesamte Linke. Die beiden Fußball-WMs 2026 und 2022 sind ein zugespitzter Ausdruck dessen: Im Gastgeberland der WM 2022 Katar wurden neue Stadien in den Wüstensand gestampft. Dafür mussten Tausende Arbeiter sterben.

Im WM 2026-Haupt-Gastgeberland USA herrscht ein politisch unberechenbarer Immobilien-Multimilliardär, der mit seinen grenzenlosen imperialen Bedürfnissen (z.B. Iran, Palästina, Grönland) die Welt in Atem, Zerstörung und Kriege hält. Der ökonomische Hintergrund ist die anscheinend unbegrenzte Macht von Gestalten wie Elon Musk, die seit der Pubertät ohne Rücksicht auf Verluste Anderer keine Ruhe mehr geben, solange sie nicht alle Güter in ihren privaten Besitz genommen haben.

Die Zeche für diesen Irrsinn sollen wir zahlen. Die Bundesregierung will die Rüstungsausgaben auf weit über 1/3 des Bundeshaushaltes hochtreiben und peitscht zur Finanzierung während der WM den größten Sozialkahlschlag vor allem im Gesundheitswesen und bei den Sozialleistungen seit Gründung der BRD durch. Inwieweit das Vasallentreue gegenüber Trump und den USA ist oder eigene deutsche antirussische militärische „Gründlichkeit“, ist Gegenstand linker Diskussionen – im Ergebnis beides fatal.

Die für viele Menschen und den Planeten zerstörerischen Kräfte des Kapitals zu bändigen oder gar zu beseitigen, scheint weit weg zu sein. Aber den Kopf in den Sand stecken, bringt ja auch nix: dann ist halt für Linke, Arbeiter und Gewerkschaften hinsichtlich Frieden und Umwelt leider vorerst nur der Weg das Ziel ….

 

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